Wissenschaftlerin mit Pipette in einem hellen biomedizinischen Labor

Projekt

Zwischen klinischer Realität und Zukunftsmusik

Zusammenfassung Künstliche Intelligenz (KI) hat in der Orthopädie und Unfallchirurgie den Weg vom Schlagwort zur klinischen Anwendung angetreten – einem je nach Anwendungsbereich unterschiedlichen Entwicklungsstand. KI-gestützte Systeme zur Frakturerkennung sowie zur automatisierten Messung von Winkeln und anderen knö…

Zusammenfassung Künstliche Intelligenz (KI) hat in der Orthopädie und Unfallchirurgie den Weg vom Schlagwort zur klinischen Anwendung angetreten – einem je nach Anwendungsbereich unterschiedlichen Entwicklungsstand. KI-gestützte Systeme zur Frakturerkennung sowie zur automatisierten Messung von Winkeln und anderen knöchern referenzierten Parametern auf Röntgenaufnahmen erreichen mittlerweile eine Genauigkeit, die mit jener erfahrener Expert:innen vergleichbar ist. Entsprechende Anwendungen sind heute als regulierte Medizinprodukte zugelassen und haben bereits Einzug in die klinische Praxis gehalten. Prädiktive Modelle zur Vorhersage von Verweildauer, Mobilität bei Entlassung und Komplikationsraten nach orthopädisch-unfallchirurgischen Eingriffen zeigen Potenzial, befinden sich jedoch noch im Prozess der externen Validierung. Digital Twins, computerbasierte, patientenindividuelle Simulationsmodelle, eröffnen vielversprechende Möglichkeiten für Therapieplanung und Entscheidungsfindung, befinden sich klinisch jedoch noch überwiegend im Entwicklungsstadium. Vollautonome Operationssysteme bleiben aufgrund ungelöster rechtlicher, ethischer und technischer Hürden zumindest mittelfristig noch Zukunftsmusik. Eine kritische, evidenzbasierte Auseinandersetzung mit KI-Technologien ist heute Teil der professionellen Verantwortung in der Orthopädie und Unfallchirurgie.