Projekt
Wie nehmen Studierende der Westsächsischen Hochschule Zwickau ihre eigenen Kompetenzen im Bereich digitale Anwendungen und im Umgang mit künstlicher Intelligenz wahr?
Hintergrund und Zielsetzung: Digitalisierung und generative künstliche Intelligenz sind zu einem festen Bestandteil des Studienalltags geworden. Für Studierende ergeben sich daraus neue Anforderungen, die über die Bedingung entsprechender Anwendungen hinausgehen und auch deren kritische Bewertung umfassen. Wie Studier…
Hintergrund und Zielsetzung: Digitalisierung und generative künstliche Intelligenz sind zu einem festen Bestandteil des Studienalltags geworden. Für Studierende ergeben sich daraus neue Anforderungen, die über die Bedingung entsprechender Anwendungen hinausgehen und auch deren kritische Bewertung umfassen. Wie Studierende ihre eigenen Kompetenzen in diesem Bereich einschätzen, ist bislang wenig untersucht. Ziel der Arbeit ist zu erfassen, wie Studierende der Westsächsischen Hochschule Zwickau ihre digitalen und KI-bezogenen Kompetenzen wahrnehmen und in welchen Bereichen Sie Unterstützungsbedarf sehen. Methodik: Grundlage ist eine quantitative Querschnittsstudie in Form einer anonymen Online-Befragung, die im Zeitraum von 01. bis zum 15. Juli 2026 hochschulweit durchgeführt wurde. Der Fragebogen wurde theoriegeleitet entwickelt. Die digitale Kompetenz, KI-Kompetenz und digitale Selbstwirksamkeit über fünfstufige Likert-Skalen erhoben, Chancen und Unterstützungsbedarfe über offene Fragen. Von 207 Rückläufen fließen 180 vollständig ausgefüllte Fragenbögen in die Auswertung ein. Die Analyse erfolgte mit IBM SPSS Statistics deskriptiv, korrelativ sowie über Mittelwertvergleiche. Die offenen Angaben wurden inhaltlich kategorisiert. Ergebnisse: Die Studierenden schätzen ihre Kompetenzen durchgehend hoch ein, wobei alle drei Skalen eine gute interne Konsistenz aufwiesen. Auf Item-Ebene zeigte sich ein deutliches Gefälle. Anwendungsbezogene Kompetenzen wurden hoch bewertet, kritisch-reflexive und sicherheitsbezogene Kompetenzen, wie Datenschutz, Quellenbewertung und ethische Fragen deutlich niedriger. Eine höhere Nutzung digitaler Werkzeuge ging mit einer höheren Selbsteinschätzung einher. Digitale Kompetenz und KI-Kompetenzen hingen dabei eng zusammen. Unterschiede zeigten sich zwischen den Fakultäten sowie zwischen weiblichen und männlichen Studierenden, nicht jedoch zwischen den Fachsemestern. Der geäußerte Unterstützungsbedarf betrifft vorrangig Schulungen, Prompting, Datenschutz und kritische Bewertung von KI-Ergebnissen. Schlussfolgerung: Die Studierenden fühlen sich in der Anwendung digitaler Werkzeuge sicher, weniger jedoch im reflektierten und rechtssicheren Umgang mit künstlicher Intelligenz. Quantitative und qualitative Befunde stützen sich dabei gegenseitig. Hochschulische Angebote sollten daher weniger auf die Bedienung als auf ethische Fragen, kritische Bewertungen und Datenschutz zielen und fest in das Studium eingebunden werden. Limitationen: Die Untersuchung beruht auf Selbsteinschätzungen und lässt keine Aussagen über tatsächliche Kompetenzen zu. Das Querschnittsdesign erlaubt keine kausalen Schlüsse. Durch die freiwillige Teilnahme liegt eine Selbstselektionsstichprobe vor, deren Repräsentativität mangels Strukturdaten nicht geprüft werden konnte.