Projekt
Olfaktorische Stimulation zur Förderung der Ernährung von Frühgeborenen der 25. bis 30. Schwangerschaftswoche
Hintergrund: Die orale Ernährung ist eine der größten Herausforderungen, welcher sich die extrem und sehr unreifen Frühgeborenen aufgrund ihrer neurologischen Unreife stellen müssen. In vorherigen Studien hat sich die olfaktorische Stimulation als vielversprechender Ansatz erwiesen, um das Erlernen des eigenständigen…
Hintergrund: Die orale Ernährung ist eine der größten Herausforderungen, welcher sich die extrem und sehr unreifen Frühgeborenen aufgrund ihrer neurologischen Unreife stellen müssen. In vorherigen Studien hat sich die olfaktorische Stimulation als vielversprechender Ansatz erwiesen, um das Erlernen des eigenständigen Trinkens zu unterstützen. Einige Studien konnten einen Effekt der olfaktorischen Stimulation nachweisen, wohingegen andere Studien dieses Ziel verfehlten. Die Datenlage ist insgesamt limitiert und inkonsistent, vor allem bei der Betrachtung der extrem und sehr unreifen Frühgeborenen. Diese Studie widmete sich daher dem Effekt der frühzeitigen olfaktorischen Stimulation mit Muttermilch auf die Dauer bis zur Entwöhnung von der Magensonde bei extrem und sehr unreifen Frühgeborenen. Deren neurologische Unreife in Bezug auf die Geruchsverarbeitung erscheint dabei als der entscheidende und limitierende Faktor. Material und Methoden: Bei der Studie handelte es sich um eine prospektive, randomisierte kontrollierte klinische Studie, welche auf einer neonatologischen Intensivstation und anschließend nach Verlegung auf einer neonatologischen Normalstation durchgeführt wurde. Eine Gesamtheit von 80 Frühgeborenen mit einem Gestationsalter zwischen 25+0 und 30+0 SSW wurde in die Studie eingeschlossen und folgend in eine Interventions- oder Kontrollgruppe randomisiert. Die Interventionsgruppe erhielt eine Präsentation von Muttermilchgeruch vor jeder Fütterung, der Kontrollgruppe wurde kein Geruch (Placebo) präsentiert. Das primäre Ziel der Studie betrachtete die Dauer bis zur vollständig oralen Nahrungsaufnahme, definiert als eigenständiges Trinken aller Mahlzeiten in einem Zeitraum von 24 Stunden, ohne Nutzung der Magensonde. Sekundäre Ziele umfassten die Dauer bis zur vollständig enteralen Ernährung, die Dauer des Krankenhausaufenthalts und das Gewicht zur Entlassung. Ergebnisse: Nach Anwendung der Dropout-Kriterien verblieben 51 Probanden in der Studie, welche anschließend analysiert wurden. In Bezug auf ihre Grundeigenschaften unterschieden sich die Studiengruppen nicht, sodass ein vergleichbares Probandenkollektiv in Interventions- und Kontrollgruppe vorlag. Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied (p=0,765) bezüglich der Entwöhnung von der Magensonde zwischen Interventionsgruppe (60,8 ± 17,5 Tage) und Kontrollgruppe (59,2 ± 18,4 Tage) gefunden werden. Dies konnte mit Hilfe von Kaplan-Meier-Kurven und einem zusätzlichen Log-Rank-Test (p=0,83) bestätigt werden. Bei der Betrachtung der sekundären Studienziele ergab sich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studiengruppen, dies gilt auch für die Gewichtsentwicklung und die Länge des Krankenhausaufenthalts. Schlussfolgerung: Die hier durchgeführte Studie untersuchte die Hypothese, ob durch olfaktorische Stimulation die Zeit bis zur Entwöhnung von der Magensonde bei extrem und sehr unreifen Frühgeborenen beschleunigt werden kann. Dies konnte anhand der erhobenen Daten nicht nachgewiesen werden und deckt sich mit den Ergebnissen vorheriger Studien und Reviews, welche eine fortgeschrittenere neurologische Reife als Voraussetzung für den positiven Effekt der olfaktorischen Stimulation vermuten. Bei der Geruchsstimulation von Frühgeborenen handelt es sich um eine sichere Intervention ohne negative Auswirkungen, der Effekt der Maßnahme ist bei einem Patientenkollektiv jünger als 28 SSW jedoch nicht sicher nachweisbar. Mit den Ergebnissen dieser Studie konnte ein wichtiger Beitrag in der Versorgung extrem und sehr unreifer Frühgeborener geleistet sowie die Notwendigkeit der Auswahl eines passenden Patientenkollektivs mit entsprechender neurologischer Reife hervorgehoben werden.:Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 1 1.1 Einordnung in den aktuellen Forschungsstand 1 1.2 Fragestellung der Arbeit 2 2 Theoretische Grundlagen 4 2.1 Das Frühgeborene 4 2.1.1 Prävalenz und sozioökonomische Bedeutung 4 2.1.2 Herausforderungen und Schwierigkeiten der Frühgeb…