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Kritik der Digitalität (und was Interfaces dazu beitragen)

Kritik der Digitalität (und was Interfaces dazu beitragen) Jan DistelmeyerWas digital ist, so scheint es, hat mit Entscheidungssicherheit und Eindeutigkeit zu tun.So klar, wie 0 und 1 getrennt sind, so sicher rechnen Computer mit diskreten und eindeutigen Zeichen.Diese Bedingung, die nur Bestimmtes einschließt (und Un…

Kritik der Digitalität (und was Interfaces dazu beitragen) Jan DistelmeyerWas digital ist, so scheint es, hat mit Entscheidungssicherheit und Eindeutigkeit zu tun.So klar, wie 0 und 1 getrennt sind, so sicher rechnen Computer mit diskreten und eindeutigen Zeichen.Diese Bedingung, die nur Bestimmtes einschließt (und Unbestimmtes ausschließt), beschreibt eine spezielle Eigenart des Digitalen.Vielleicht aber ist es zugleich auch genau umgekehrt -und liegt eine ebenso besondere Eigenart und damit verbundene Herausforderung gerade in Ambivalenzen begründet.Denn was nicht nur den alltäglichen Umgang mit digitaler Technologie in all ihren Formen, sondern auch eine bewusste Haltung gegenüber Konzepten und Verfahren des Digitalen so speziell und nicht immer leicht macht, sind Widersprüchlich-und Uneindeutigkeiten.Einerseits ist mir digitale Technik permanent nah und vertraut wie mein Smartphone als alltäglicher Begleiter und Organisator vieler Bereiche meines Lebens; andererseits sind mir seine Funktionsweise, seine Eigenaktivität jenseits meines direkten Gebrauchs und der laufende Datenaustausch fremd.Im Vergleich zur (versprochenen) Omnipräsenz und Dauerverfügbarkeit internetbasierter Dienstleistungen sind die Infrastrukturen, die dies garantieren (sollen), wie etwa abgeschottete Serverparks, getarnte Sendemasten und unterseeische Internetkabel nahezu unsichtbar.»Das Netz« ist sowohl da als auch verborgen.Mein großes Vertrauen auf algorithmische Verfahren diverser Services und Apps, das ich mit meiner Nutzung beweise, steht meinem geringen Wissen über diese Verfahren diametral gegenüber.Während mir klar ist, was ich von digitalen Diensten habe, ist mir unklar, was diese Dienste von mir haben.Hinzu kommt der Selbstwiderspruch des Digitalen, dass schon die vermeintliche Präzision des Begriffs ziemlich zweifelhaft ist.Im Gegensatz zur mathematischen Härte der Unterscheidung zwischen 0 und 1, die nicht nur im Schulunterricht zur (ebenfalls vermeintlich eindeutigen) Differenz zwischen »analog« und »digital« gehört, prägen verschiedene Verständnisse die öffentlichen Debatten und sind historischen Veränderungen unterworfen. 1 Insbesondere seit Ende der 1980er Jahre hat sich »digital« als 1 Wie sich ändert, was digital ist, zeigt beispielhaft die Filmindustrie: Ende der 1990er Jahre wird die DVD aufwändig als digitales Medium eingeführt und beworben (z.B. mit »Because its data streams are digital DVD gives you lots of playback options to choose from.«).Ende der 2010er Jahre unterscheiden Werbungen zwischen Datenträgern und der Online-Verfügbarkeit so, dass ein Film entweder »auf Blu-ray und DVD« oder »digital« zu haben sei.»Get it on digital« vs. »Own it on Blu-