Wissenschaftlerin mit Pipette in einem hellen biomedizinischen Labor

Projekt

3 Agrikulturen des Blutes: Pflanzen, Tiere und Maschinen

3 Agrikulturen des Blutes: Pflanzen, Tiere und Maschinen Kaum für sein zweites Fellowship an die Harvard Medical School zurückgekehrt, machte sich Gibbon mit seiner Ehefrau im Herbst 1934 daran, erste handbetriebene Pump-und Schlauchsysteme zu arrangieren und testweise mit Wasser zu durchströmen.1 Wie sich schnell her…

3 Agrikulturen des Blutes: Pflanzen, Tiere und Maschinen Kaum für sein zweites Fellowship an die Harvard Medical School zurückgekehrt, machte sich Gibbon mit seiner Ehefrau im Herbst 1934 daran, erste handbetriebene Pump-und Schlauchsysteme zu arrangieren und testweise mit Wasser zu durchströmen.1 Wie sich schnell herausstellte, bargen die Testläufe mit Wasser jedoch begrenzte Aussagekraft.Denn die Flüssigkeit, die schließlich durch die Schläuche strömen sollte, hatte gänzlich andere Eigenschaften und wegen seiner komplizierten Handhabung nicht umsonst einen Ruf als »die komplizierteste Flüssigkeit in der Welt lebendiger Organismen«. 2 Um die Gerinnung von Blut in Schläuchen und Gefäßen zu verhindern, den Gasaustausch anzuregen und das Flüssigkeitsvolumen auf das Fassungsvermögen des extrakorporalen Kreislaufs auszudehnen, musste Gibbon unterschiedlichste Materialien und Techniken aus dem äußeren Umfeld des Labors in seinen Versuchsaufbau integrieren.Dass Experimente Begegnungsstätten ungewöhnlich heterogener Komponenten darstellen, ist in der posthumanistischen Wissenschafts-und Technikforschung immer wieder hervorgehoben und als Ausdruck von materieller Eigendynamik gegen soziale wie ökonomische Erklärungen ins Feld geführt worden.Experimentelle Entwicklungen vollzögen sich demnach durch »Emergenz im Sinne von rohem Zufall [chance], der sich in der Zeit ereignet«, 3 als quasi-biologisches »Sortieren von zufälligen Mutationen« 4 oder in Form von »zufälligen Fügungen«, die eine 1